Österreich ist für uns Motorradfahrer der pure Spielplatz: Asphaltbänder, die sich in endlosen Serpentinen über 2.500 Meter Höhe schrauben, schroffe Felswände und Täler mit türkisblauen Seen, die wie gemalt in der Landschaft liegen.
Doch so genial der Ritt über Großglockner, Nockalmstraße oder das Salzkammergut tagsüber ist – der wahre Zauber beginnt erst am späten Nachmittag. Wenn die Tagestouristen ihre Autos ins Tal steuern, die Pässe wieder still werden und du dein Zelt direkt am Fuße der nächsten Passstraße oder am Ufer eines Badesees aufschlägst.
Damit du nach einem epischen Fahrtag nicht auf einer tristen Wohnmobil-Schotterfläche landest, haben wir die schönsten, bikerfreundlichsten Campingplätze in Österreich für dich herausgesucht.
1. Am Fuße des Königs: Nationalpark-Camping Großglockner (Heiligenblut, Kärnten)
Die Großglockner Hochalpenstraße ist das Mekka der Alpen – und dieser Platz liegt strategisch so perfekt, dass man fast im ersten Gang losrollen kann. Direkt am Fuße der berühmten Mautstation in Heiligenblut gelegen, bietet der Campingplatz eine atemberaubende Kulisse mit Blick auf die umliegenden Dreitausender.
- Warum Biker ihn lieben: Du bist morgens der Erste am Berg. Während andere noch am Frühstücksbuffet im Tal sitzen, ziehst du schon bei Sonnenaufgang über die komplett leeren Kehren der Hochalpenstraße.
- Ausstattung & Charme: Sehr gepflegte Sanitäranlagen, gemütliche Gastronomie im Ort und eine Zeltwiese mit weichem Boden, auf der Heringe mühelos greifen.
- Tipp: Abends wird es hier auf knapp 1.300 Metern Höhe selbst im Sommer spürbar frisch – pack eine warme Isolierschicht für den Schlafsack ein!
2. Kurven & Abkühlung: Camping Brunner am See (Döbriach, Millstätter See)
Nach 400 Kilometern in voller Montur durch die Kärntner Nockberge gibt es genau ein Gefühl, das unschlagbar ist: Raus aus den heißen Motorradstiefeln und mit einem Kopfsprung direkt in den See eintauchen.
Camping Brunner am Millstätter See verbindet Kärntner Herzlichkeit mit erstklassiger Lage für Motorradtouren.
- Warum Biker ihn lieben: Der Platz liegt direkt am Seeufer und dient als perfektes Basislager. Die Nockalmstraße, die Villacher Alpenstraße und schottrige Abstecher nach Friaul (Italien) liegen direkt vor der Haustür.
- Ausstattung & Charme: Eigener Badestrand, erstklassige Sanitäranlagen und ein Betreiberteam, das Camping noch mit Herzblut lebt.
- Tipp: Wenn du lieber mit leichtem Gepäck fährst, kannst du hier für zwei bis drei Nächte dein Zelt stehen lassen und Tagestouren ohne Koffer über die Kärntner Pässe drehen.
3. Postkarten-Idylle: Camping Wolfgangsee Lindenstrand (Salzkammergut, Salzburg/OÖ)
Das Salzkammergut bietet eine Kulisse, die fast schon kitschig schön ist. Zwischen steil aufragenden Kalkwänden und smaragdgrünen Gewässern winden sich Nebenstraßen wie die Postalmstraße durch die Region.
Der Platz Lindenstrand liegt direkt am Wolfgangsee und ist ideal für Genießer, die das Motorradfahren gern mit entspannten Abenden am Wasser verbinden.
- Warum Biker ihn lieben: Die Anfahrt über die Postalm (Österreichs zweitgrößtes Hochplateau) gehört zu den schönsten Genussstrecken des Landes. Die Straßen rund um Wolfgang-, Mond- und Attersee bieten flüssige Schräglagen ohne extremen Pass-Stress.
- Ausstattung & Charme: Große Liegewiese direkt am Wasser, moderne Waschhäuser und Möglichkeiten, abends am Seeufer zu sitzen und die untergehende Sonne hinter den Bergen zu beobachten.
- Tipp: Das Salzkammergut ist bekannt für plötzliche Wetterumschwünge. Ein Zelt mit ordentlicher Wassersäule und sturmfesten Abspannleinen zahlt sich hier definitiv aus.
4. Für Hochgebirgs-Junkies: Camping Sölden (Ötztal, Tirol)
Du willst ganz hoch hinaus? Das Ötztal führt dich geradewegs zum Timmelsjoch – einem der spektakulärsten Grenzübergänge nach Südtirol.
Camping Sölden liegt mitten im Tal und hebt Camping auf ein überraschendes Komfort-Level, das nach harten Schotter- oder Regenetappen wie ein Geschenk des Himmels wirkt.
- Warum Biker ihn lieben: Das Timmelsjoch startet quasi hinter dem Zelt. Du fährst am frühen Vormittag über die 2.500 Meter hohe Passhöhe, rollst hinunter in die Weinberge nach Meran und bist abends wieder pünktlich im Camp.
- Ausstattung & Charme: Nach einem durchregneten Tag im Sattel gibt es hier den absoluten Luxus: einen vollwertigen Wellnessbereich mit Sauna direkt am Campingplatz. Zeltplatz-Romantik trifft Entspannung.
- Tipp: Achte auf die in Tirol geltenden Standgeräusch-Begrenzungen (95 dB) auf ausgewählten Strecken – das Timmelsjoch selbst ist frei befahrbar, aber manche Zubringerstraßen im Außerfern verlangen einen prüfenden Blick in den Fahrzeugschein.
Biker-Checkliste: Worauf achten beim Campingplatz in Österreich?
Damit der Zwischenstopp nicht zum Frust wird, achte bei der Anreise auf diese drei Details:
- Seitenständer-Unterlage: Viele österreichische Plätze bieten saftig grüne Zeltwiesen. Nach einem Regenschauer sinkt der Seitenständer deiner 230-Kilo-Enduro dort ein wie in Butter. Hab immer eine kleine Platte griffbereit im Tankrucksack!
- Rechtzeitig anreisen oder reservieren: Besonders an den Kärntner Seen und im Salzkammergut sind Spontanübernachtungen im Juli und August oft rar. Ein kurzer Anruf am Nachmittag aus der Kaffeepause sichert dir ein Plätzchen für dein Zelt.
- Münzgeld für die Dusche: Während Kartenzahlung an der Rezeption meist Standard ist, schlucken viele Duschautomaten auf alpinen Plätzen immer noch klassische 50-Cent- oder 1-Euro-Münzen.
Fazit: Die Alpen vor der Zeltöffnung
Es gibt wenig Schöneres, als morgens aus dem Schlafsack zu krabbeln, das Zelt aufzuzippen und direkt auf eine schroffe Felswand oder einen spiegelglatten See zu blicken. Österreich bietet für Motorrad-Camper eine Dichte an Traumspots, die in Europa ihresgleichen sucht.
Welcher Campingplatz in Österreich ist dein absoluter Favorit? Kennst du einen versteckten Geheimtipp direkt an einer Passstraße? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren!





























